Allgemeine Nephrologie

Der Behandlungsschwerpunkt Allgemeine Nephrologie beschäftigt sich mit der Erkennung und Behandlung aller Formen von Nierenerkrankungen und deren Folgen. 

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Nierenerkrankungen: viele Ursachen und komplexe Auswirkungen

Nieren- und Hochdruckerkrankungen sind häufige Erkrankungen in der Bevölkerung.

Sie verursachen zunächst wenige bis keine Beschwerden, sind für die Gesundheit aber dennoch gefährlich, da sie mit Herz-Kreislauferkrankungen vergesellschaftet sind und im schlimmsten Fall den vollständigen Verlust der Nierenfunktion bedeuten können.

Allgemeine Nephrologie

Akutes Nierenversagen

Das akute Nierenversagen ist eine akute, ggf. rasch progrediente Verschlechterung der Nierenfunktion. Es ist gekennzeichnet durch eine rückläufige Diurese und ansteigende Retentionsparameter (Harnstoff, Kreatinin).

Die Ursachen eines akuten Nierenversagens werden häufig nach dem Ort der Schädigung eingeteilt:

  • prärenales Nierenversagen: Volumenmangel, hämorrhagischer Schock, Herzversagen, Leberversagen
  • intrinsisches Nierenversagen: Sepsis, Glomerulonephritiden, medikamentös-toxische Nierenschädigung, Rhabdomyolyse
  • postrenales Nierenversagen: Obstruktion der Harnwege z.B. durch Steine oder Tumoren

Die Therapie des akuten Nierenversagens ist stark abhängig von dem Schweregrad und der Ursache der Funktionsverschlechterung. So muss ein schnell verlaufendes Nierenversagen häufig zunächst auf einer unserer Intensivstationen behandelt werden. Im Vordergrund steht die rasche Behandlung von Begleiterkrankungen und der Ursachen und ggf. eine Nierenersatztherapie. Hierfür stehen alle gängigen Nierenersatzverfahren in unserer Klinik zur Verfügung, um eine individualisierte Therapie zu ermöglichen.

Chronische Nierenerkrankung

Stadieneinteilung chronische Niereninsuffizienz
Copyright: Levey AS et al. Kidney International 2011; 80: 17-28

Bei der chronischen Nierenerkrankung besteht für mindestens drei Monate eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion oder ein Zeichen struktureller Schädigung. Der Schweregrad der Nierenerkrankung wird durch die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) und das Ausmaß der Albuminausscheidung im Urin definiert. Die Einteilung reicht von einer leichten Funktionseinschränkung (Stadium G1) bis hin zum vollständigen Ausfall der Nierenfunktion (Stadium G5).

Mit abnehmender Nierenleistung treten Symptome einer sogenannten Urämie (Harnvergiftung) auf. Hierzu gehören unter anderem:

  • Ödeme
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Leistungsschwäche
  • Blutarmut (Anämie)
  • arterielle Hypertonie
  • Pleuraergüsse, Perikarderguss, Herzrhythmusstörungen 

Die Therapie einer chronischen Nierenerkrankung hängt stark von der Ursache ab. Jede neu aufgetretene Nierenerkrankung sollte deshalb abgeklärt werden. Im Vordergrund der Therapie steht die Behandlung spezifischer Ursachen mit dem Ziel, die Nierenfunktion wieder zu verbessern oder zumindest ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu vermeiden. Ist eine weitere Verschlechterung der Nierenfunktion unvermeidlich, bieten wir frühzeitig eine Beratung bzgl. möglicher Nierenersatzverfahren an. Grundsätzlich kommen dafür eine Hämodialyse und eine Bauchfelldialyse sowie eine Transplantation in Frage. In jedem Fall erleichtert eine rechtzeitige Vorbereitung den komplikationslosen Beginn und die Durchführung des Verfahrens.

Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basenhaushalt

Die Niere spielt als zentrales Organ für den Salzhaushalt (Elektrolyte) eine wichtige Rolle in der Aufrechterhaltung der Zellfunktionen. Zudem wird ein Großteil des Säure-Basenhaushalts von der Niere reguliert. Daher können bei Funktionsverschlechterungen der Niere auch hier Störungen auftreten. Teilweise können diese Störungen so schwer verlaufen, dass sie intensivmedizinisch betreut werden müssen. Hier greifen die beiden Schwerpunkte der Klinik ineinander und sorgen für eine optimale Versorgung der Patienten.

Beispiele für Elektrolystörungen:

  • Hyper- /Hyponatriämie
  • Hyper- /Hypokaliämie
  • Hyper- /Hypophosphatämie
  • Hyper- /Hypocalcämie

Glomerulonephritiden

Eine Glomerulonephritis bezeichnet eine Erkrankung der Nierenkörperchen (Glomerula). Die Glomerula  bestehen aus unterschiedlichen Zelltypen und bilden eine hochkomplexe Struktur, in denen der Primärharn aus dem Blut gefiltert wird. Da sie an der Schnittstelle zwischen Blutbahn und Urin stehen, können Erkrankungen der Nierenkörperchen schnell zu einem ausgeprägtem Nierenversagen führen. Häufig liegt der Erkrankung ein immunologischer Mechanismus zugrunde.

Die Glomerulonephritiden werden in primäre und sekundäre Formen eingeteilt. Primäre Formen betreffen ausschließlich die Nieren. Bei einer sekundären Glomerulonephritis tritt ein Nierenbefall im Rahmen einer Systemerkrankung auf. Die genaue Diagnose kann mittels einer Nierenpunktion und anderer Untersuchungen gestellt werden.

diabetische Nephropathie

Die diabetische Nephropathie ist in Deutschland die häufigste Ursache für ein dialysepflichtiges Nierenversagen. Bei Patientinnen und Patienten mit langjährigem Diabetes mellitus kommt es zu Gefäßveränderungen im gesamten Körper. Besonders betroffen sind dabei auch die kleinen Gefäße im Bereich der Niere und der Nierenkörperchen. Schreiten die Gefäßveränderungen fort, kommt es zu einer nachlassenden Nierenfunktion die irreversibel ist.

In der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und internistische Intensivmedizin versuchen wir durch Therapieoptimierung ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz zu verhindern. Hierzu gibt es hervorragende neue Medikamente, die individuell in optimaler Weise kombiniert werden müssen. 

Sollte die Niereninsuffizienz schon zu weit fortgeschritten sein, besteht für Patienten und Patientinnen mit Typ I Diabetes mellitus die Möglichkeit sich für eine kombinierte Pankreas- und Nierentransplantation listen zu lassen. Hierbei wird nicht nur die Nierenfunktion durch die Transplantation wiederhergestellt, sondern auch der Diabetes durch die Bauchspeicheldrüsentransplantation geheilt.

Zystennierenerkrankung

Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die einzeln auch in der gesunden Niere auftreten können und dann in aller Regel keinen Krankheitswert besitzen.

Hiervon zu unterschieden sind vererbbare Formen, wo sich bei Betroffenen zahlreiche Zysten in beiden Nieren bilden. Die häufigste Form einer vererbbaren Zystennierenerkrankung ist die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD), die mit einer Häufigkeit von 1:400 bis 1:1000 auftritt.

Solche vererbbaren Zystennierenerkrankungen können mit einem fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion einhergehen. Behandlungsziel ist es daher Maßnahmen zu finden, die den Verlust der Nierenfunktion verlangsamen. Hierzu gehören eine konsequente Einstellung des Blutdrucks sowie die Vermeidung jeglicher akuter Schädigungen der Nieren. Kürzlich wurde Tolvaptan als erstes Medikament zur Behandlung von ADPKD in Deutschland zugelassen. Es eignet sich aber nicht für alle Patienten und eine Beratung hinsichtlich dieser medikamentösen Therapie kann bei uns erfolgen.

Des Weiteren stellen sich häufig noch andere Fragen, wie beispielsweise ob die eigenen Kinder betroffen sein könnten, inwiefern bei Verwandten eine Abklärung sinnvoll ist oder wie hoch das Risiko des Auftretens der Erkrankung bei Kinderwunsch einzuschätzen ist. Auch zu diesen Themen können Sie bei uns Informationen erhalten.

seltene erbliche Nierenerkrankungen

Einige seltene Nierenerkrankungen sind genetisch verursacht und somit vererbbar. Viele dieser Erkrankungen fallen schon im Kindesalter auf. Es gibt jedoch auch genetisch verursachte Erkrankungen, die deutlich später manifest werden können.

Beispiele sind

  • autosomal-dominante tubulointerstitielle Nierenerkrankung (ADTKD)
  • Von-Hippel-Lindau Erkrankung
  • Alport-Syndrom
  • hereditäre Formen von Glomerulonephritiden (z.Bsp. C3-Nephropathie)
  • Morbus Fabry
  • tuberöse Sklerose
  • renal tubuläre Azidose (distaler Typ)

Da die Erkrankungen selten auftreten, ist eine besondere Expertise in der Diagnosestellung und der anschließenden Therapie gefragt. Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und internistische Intensivmedizin bietet Ihnen ein großes Spektrum an Experten und diagnostischen Möglichkeiten, um Ihnen auch bei seltenen Erkrankungen weiterhelfen zu können.

Systemerkrankungen mit Nierenbeteiligung

Bei einigen Erkrankungen, die primär den gesamten Körper betreffen, ist die Niere mitbetroffen. Die initialen Symptome bei diesen Erkrankungen sind oft sehr unspezifisch. Dementsprechend ist eine Diagnose der Erkrankung oft schwierig und gelingt teilweise erst, nachdem bereits Organschäden vorliegen. Häufig ist eine Fehlregulation des Immunsystems, beispielsweise eine Autoimmunerkrankung, die Ursache einer solchen Erkrankung. Insgesamt gesehen, ist die diabetische Nephropathie als Folge eines nicht ausreichend eingestellten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) die häufigste Ursache einer Nierenschädigung im Rahmen einer Systemerkrankung.

Beispiele für Systemerkrankungen mit Nierenbefall:

  • Vaskulitis, siehe Vaskulitiden
  • Autoimmunerkrankungen (z. Bsp. Lupus erythematodes, systemische Sklerose)
  • Infektiöse Erkrankungen (z. Bsp. Erkrankungen durch Hepatitisviren oder HIV)
  • Tumorerkrankungen (z. Bsp.Tumorlysesyndrom, multiples Myelom, Nierenzell-Ca)
  • Sarkoidose
  • Diabetes mellitus (jeder Typ), siehe Diabetische Nephropathie
  • Arterielle Hypertonie, siehe Hypertensiologie
  • hepatorenales Syndrom (Nierenfunktionseinschränkung bei eingeschränkter Leberfunktion)
  • kardiorenales Syndrom (Nierenfunktionseinschränkung bei eingeschränkter Herzfunktion)

Spezialdiagnostik

Nierenpunktion

Viele Nierenerkrankungen lassen sich erst mit einer genauen Begutachtung von Nierengewebe unter dem Mikroskop diagnostizieren.

Um das Nierengewebe begutachten zu können, werden sogenannte Nierenbiopsien durchgeführt. Dabei handelt es sich um die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus der Niere mittels einer feinen Nadel unter Ultraschallkontrolle. Diese Untersuchung wird in unserer Klinik häufig und mit großer Erfahrung durchgeführt. Dennoch muss sie im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes erfolgen, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

In aller Regel kann nach ein bis zwei Tagen die Entlassung erfolgen und die Patientinnen und Patienten können sich wenig später zur Befundbesprechung in unserer Sprechstunde vorstellen oder zur Therapieeinleitung im Rahmen eines weiteren stationären Aufenthaltes.

Ultraschall

Unsere Klinik verfügt über eine eigene Funktionsdiagnostik mit Ultraschall. Hier werden u.a. Ultraschalluntersuchungen der eigenen Nieren, von Transplantatnieren sowie von Dialyseshunts durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse werden vor dem Hintergrund der Grunderkrankung beurteilt und gewährleisten so eine optimale weitere Therapieplanung.

Wir betreuen dabei nicht nur Patientinnen und Patienten aus unserer Klinik, sondern führen auch diagnostische Ultraschalluntersuchungen für stationäre Patienten anderer Kliniken durch.