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19.11.2018

Signalweg der Nierenregeneration erforscht

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Bis zu 20% aller Krankenhauspatienten sind vom akuten Nierenversagen betroffen, einer raschen und potenziell tödlichen Funktionsverschlechterung der Nieren. Ein großer Teil dieser Patienten erholt sich von dieser Erkrankung, was auf eine bemerkenswerte "Selbstheilungsfähigkeit" der Nieren zurückzuführen ist. Sind die Nieren jedoch zu stark geschädigt oder durch Begleiterkrankungen beeinträchtigt, so entstehen dauerhafte Nierenprobleme. Ein Team von Wissenschaftlern aus der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin und vom Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin hat nun wichtige neue Erkenntnisse zu den molekularen Grundlagen des Erholungsprozesses der Niere gewonnen.

Prof. Schmidt-Ott, Oberarzt der Klinik und wissenschaftlicher Leiter der Studie, erklärt, dass es derzeit keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten gibt, um die Erholung der Nieren zu fördern. "Wir behandeln lediglich die zugrundeliegende Ursache des Nierenversagens und hoffen auf die körpereigenen Regenerationsmechanismen der Niere. Bei vielen Patienten kann sich die Niere erholen, aber bei bis zu einem Fünftel der Patienten nicht. Diese Patienten sind langfristig auf eine Dialysebehandlung angewiesen oder benötigen eine Nierentransplantation."

Die kürzlich in der Fachzeitschrift "Kidney International" publizierten Ergebnisse des Teams von Prof. Schmidt-Ott zeigen nun, dass die Erholung der Niere nach einer akuten Schädigung durch einen körpereigenen molekularen Signalweg vermittelt wird. Dieser "Bone morphogenic protein" oder kurz BMP-Signalweg wird in den Epithelzellen der Niere wenige Tage nach der Schädigung aktiviert. Dies konnten Untersuchungen im Nagermodell zeigen. Wurde diese Aktivierung gezielt verhindert, so konnten sich die geschädigten Nieren nicht erholen und entwickelten die Zeichen einer vernarbenden Dauerschädigung, der sogenannten Nierenfibrose. Prof. Schmidt-Ott ergänzt: "Eine wesentliche Aufgabe des BMP-Signalweges scheint darin zu liegen, andere Signalwege zu unterdrücken, die eine Vernarbung des Nierengewebes fördern."

Die Arbeiten für diese Studie wurden in enger Zusammenarbeit mit Dr. Ruth Schmidt-Ullrich und Prof. Dr. Dominik N. Müller vom Max-Delbrück-Centrum durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Stiftung Urologische Forschung gefördert. Die Forscher arbeiten darauf hin, in Zukunft eine gezielte Behandlung des akuten Nierenversagens zu ermöglichen.

Vigolo, E.*, Markó, L.*, Hinze, C., Müller, D. N.**, Schmidt-Ullrich, R.**, Schmidt-Ott, K. M.** Canonical BMP signaling in tubular cells mediates recovery after acute kidney injury (2018) Kidney International, in press.
*Co-first authors. **Equally contributing principal investigators.

Links

www.mdc-berlin.de/schmidt-ott

https://www.kidney-international.org/article/S0085-2538(18)30633-1/fulltext

Kontakt

Prof. Dr. med. Kai Schmidt-Ott

Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hypertensiologe DHLCharitéUniversitätsmedizin BerlinBerlin

Postadresse:Berlin



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